2018-01-31 Urlaubstagebuch aus der Servicewüste

ich kenne es aus Touristenhochburgen, dass man an allen Ecken und Enden als Tourist erkannt und ausgenommen wird (die Engländer nennen es "fleecing" und das passt so schön). Hier scheint man aber kein Interesse an meinen Euros zu haben. Das bedeutet natürlich zum Einen, dass man nicht auf der Straße behelligt wird mit Souvenierverkauf, Special Price Taxi oder Bakschisch-Wünschen. Aber ebenso wie die wenigen Bettler und Lotterielos-Verkäufer mich ignorieren, so ignoriert mich auch das Gastronomie-Personal. Liegt es daran dass ich Alleinreisender bin? Oder dass ich nicht zu den hier üblichen Zeiten essen will? Keine Ahnung. Aber dieses gekonnte "Wegsehen und Vorbeilaufen"-Manöver ist schon komisch. Gestern wollte ich mir ein schönes Mittagessen im Straßencafé gönnen und konnte die Kellnerin gerade noch überzeugen mir einen Kaffe und ein Wasser bringen, mehr habe ich leider nicht geschafft. Ihr kennt das Manöver: Unterkörper in Fluchtrichtung, eine halbe Drehung des Oberkörpers und leicht zum Gast geneigt damit man ihm bloß nicht zu nahe kommt? Und nicht zu lange Blickkontakt halten?

Die Paare am Nachbartisch bekamen ohne Nachfrage "Menu in English" gereicht .... hmm. Ich bin dann zum Supermarkt und habe mir Zimmerpicknick gekauft. Zwischenzeitlich war ich sogar schon so weit dass ich mir bei Telepizza etwas bestellen wollte aber dafür muss man ja eine Telefonnummer angeben und natürlich akzeptiert die Bestellseite keine internationalen Vorwahlen.

Vor ein paar Tagen im Tapas-Lokal bat ich den Kellner mir zwei Tapas seiner Empfehlung zu bringen. Und er bringt die billigsten von der Karte. Ist so was normal? Die Preise sind echt zivil hier, ich hätte anstandslos auch die teuersten bezahlt!

Heute sitze ich hier in der "Bibliothek" meines Hotels, es dudelt die Flamenco-Version von "Stairway to Heaven" aber das ist eine andere Geschichte. Hier im 6. Stock ist es eigentlich ganz nett, eine Dachterrasse mit spektakulärem Blick auf die Uferpromenade, abgetrenntem Sonnenliegenbereich, ein Speisesaal mit Blick über Terrasse und auf das Meer, und dahinter das Besprechungs- /Bibliothekzimmer, woran sich wiederum eine kleine Terrasse anschließt - Blick auf die Lagune und die Berge. Es gibt ausreichend Steckdosen und WLAN. Hier ist es auszuhalten! Der Kellner ist offensichtlich nicht überfordert, im Speisesaal muss er vereinzelten Gästen das Vollpensions-Menü servieren und hat sonst nichts zu tun. Meinen Kaffee muss ich mir jedoch gezielt bei ihm bestellen, auf die Idee mal vorbeizusehen und ggf. sogar eine Speisekarte dazulassen kommt er nicht. Der Kaffee ist gut und preiswert, ich würde gerne mehr davon trinken und würde auch mal ein Sandwich nehmen, aber irgendwie scheint sich da niemand für zu interessieren.

Also ich erwarte keine Unterwürfigkeit und auch keinen Hard Sell, aber irgendwie... ignoriert zu werden ärgert mich auch. Professionell ist das nicht.